Mündliche Matheprüfung an der Passerelle

Wie läuft die mündliche Matheprüfung ab?

Passerelle Mathe Mündlich

An der Passerelle machte ich zum ersten Mal die Erfahrung eine mündliche Prüfung in Mathematik zu absolvieren. Als Autodidakt konnte ich mir kein genaues Bild machen, wie diese abläuft und was genau getestet wird. Damit du dich besser vorbereiten kannst, werde ich dir kurz von meiner Erfahrung berichten.

Während die mündlichen Prüfungen in Deutsch und Englisch ähnlich aufgebaut waren wie in der Wirtschafts-BMS (15 Minuten Vorbereitungszeit mit einem Textausschnitt, anschliessende Diskussion über Textausschnitt, zugrundeliegendes Werk und Gemeinsamkeiten mit anderen Werken), ging die mündliche Mathematikprüfung ohne Vorbereitungszeit gleich los als ich den Raum betrat. Mein Prüfungsexperte wirkte mit seiner sympathischen Art sehr beruhigend und bat mich, mich zu setzen. Ausserdem war noch ein anderer Experte auf einem “Zuschauerplatz” – dieser begleitete uns durch alle mündlichen Prüfungen.

Als ich mich setzte lag vor mir ein Blatt mit nur zwei Aufgaben, die kurz formuliert waren. Der Prüfungsexperte gab mir die Anweisung die beiden Aufgaben kurz durchzulesen und mich zu entscheiden, welche wir als erstes besprechen werden. Ich nahm mir Zeit die Aufgaben zu lesen und zunächst mal äusserst(!) grob im Kopf durchzugehen. Schliesslich entschied ich mich für eine Aufgabe und besprach zuerst diese, danach die andere, mit dem Experten.

Im Wesentlichen ging es dabei um Konzepte und nicht zwingend schwierige Rechenaufgaben. Es war nicht nur gefragt, die beiden Aufgaben zu lösen, sondern wir besprachen einen Grossteil der Zeit die Konzepte die in der Aufgabe vorkommen und damit verwandt sind. Zum Beispiel war die erste Frage “Erklären Sie was ein Skalarprodukt ist.” Nachdem den resultierenden Skalar zweier Vektoren in der Ebene erläuterte, wurde ich danach gefragt, was Anwendungen davon sind. 

Desweiteren fragte mich mein Experte, ob es denn noch ein anderes Produkt gibt, das nicht den Namen “Skalar” trägt. Da ich die Konzepte der Vektorgeometrie gut kannte war klar, dass das Vektor- oder Kreuzprodukt gefragt ist. Auch hier galt es dann noch die Anwendung zu erklären (nämlich, dass z.B. das Kreuzprodukt zweier Vektoren im Raum einen weiteren Vektor darstellt, der zu beiden vorigen Vektoren (und der Ebene die diese bilden) normal ist).

Bei der zweiten Aufgabe war eine Funktion bestehend aus zwei Teilfunktionen gegeben. Eine Teilfunktion traf ein wenn x<0 war, eine andere wenn x≥ 0. Hier galt es die beiden Teilfunktionen zu beschreiben (d.h. z.B. zu erkennen dass eine Funktion eine Exponentialfunktion ist und die andere eine quadratische Funktion mit nach unten geöffneter Parabel). Danach war es meine Aufgabe den Stetigkeitsbegriff zu definieren und in der Teilfunktion f(x)=e^(x-k) die Konstante k herauszufinden, bei der die Gesamtfunktion stetig ist.

Zusätzlich zu den beschriebenen zwei Aufgaben haben wir über die Cosinusfunktion gesprochen, wobei auch deren Merkmal der Periodizität zu erklären war und wir haben den Wertebereich von Funktionen touchiert. Zentral ist es für dich zu verstehen, dass die mündliche Matheprüfung dein Verständnis von Konzepten und Abläufen prüfen soll, nicht wie bei der schriftlichen Prüfung die Anwendung von Formeln und Berechnungen. Das Stichwort ist also “Verständnis”. Wenn bei dir die Konzepte sitzen und du verstehst, weshalb du Dinge auf eine gewisse Art berechnest, sollte die mündliche Matheprüfung bei dir kein Problem sein. 

Dem ganzen ist anzumerken, dass meine Ausführung der Prüfung ein individueller Fall war und andere Kandidierende auch andere Aufgaben lösen mussten. Wenn du, wie ich, die Eidgenössische Prüfungssitzung absolvierst (also die Prüfung nicht an einer Schule machst) wirst du wahrscheinlich trotzdem eine ganz andere Prüfung haben als ich, aber der Ablauf wird wohl ungefähr so bestehen bleiben.

Ich hoffe dieser kurze Erfahrungsbericht hilft dir weiter und ich drücke dir für die Prüfungen ganz fest die Daumen!