Wissenschafts-Olympiaden und die Polarisierung

2006 wurde die Schweizer Philosophie Olympiade gegründet. Seitdem gewann noch nie ein Berufsschüler eine Medaille – bis zum vergangenen Sonntag.

Liegt das daran, dass wir Lehrlinge nicht gut genug sind? Sicherlich nicht. Klar geniessen wir keinen Philosophie-Unterricht, jedoch ist dieser auch nicht zwingend nötig, um ein gutes Essay zu schreiben.

Der lebendige Beweis

Bewiesen habe ich dies an der diesjährigen Philosophie-Olympiade höchstpersönlich. Meine Essays haben mich bis ins Finale getragen und mir eine Bronzemedaille beschert. Ich erfuhr darauf, dass ich der erste war. Ein Schockmoment für mich und doch wenig erstaunlich.

Austausch fehlt – dabei wäre er zentral

Dabei wäre es doch so wichtig die Berufsschüler genau an solchen Wettbewerben auch dabei zu haben. Mehr Austausch zwischen Gymischülern und Lehrlingen ist zwingend nötig. In meinen regulären 3 Jahren Banklehre ist dieser nämlich gar nicht vorgesehen. Wollen wir unsere Gesellschaft wirklich schon so früh und auf diese Weise spalten?

Da ich mich nicht “nur” meiner regulären Banklehre hingebe, sondern an viele Veranstaltungen und Wettbewerbe gehe, weiss ich was für tolle Dinge dabei herauskommen wenn der Lehrling und der Gymnasiast aufeinander treffen. Nicht nur können beide viel voneinander lernen, es entstehen auch viele Freundschaften, Möglichkeiten und gute Gespräche. Nach dutzenden Events, als einziger Lehrling, in ganz Europa kann ich das bezeugen.

Mauro Baumann - Philosophie Olympiade
Gymnasiasten, in der Mitte ein Berufsschüler (SPO)
Meiden Lehrlinge die Olympiaden?

Dass nur wenige Lehrlinge an den Wissenschafts-Olympiaden teilnehmen, obwohl einige wohl gerne würden, lässt auf verschiedene Ursachen schliessen.

  • Die Olympiaden werden weder an den Berufsschulen, noch in den Lehrbetrieben beworben.
  • Lehrlinge haben keinen zusätzlichen Anreiz an einer Olympiade teilzunehmen. Im schlimmsten Fall müssen sie sogar ihre wenigen Ferientage dafür aufwenden.
  • Lehrlinge haben Angst davor keine Chance gegen die, akademischer orientierten, Gymnasiasten zu haben.

Die Lernenden meiden die Olympiaden nicht aktiv. Die Hürden zu einer Teilnahme sind schlichtweg zu gross. Vor allem ist es schade, dass so wenige überhaupt von den Olympiaden wissen.

Berufsschulen können den Unterschied machen

Die Bewerbung der Olympiaden wäre in erster Linie Aufgabe der Berufsschulen. Eine Aufgabe die diese nicht wirklich wahrnehmen. Ist dies vielleicht weil die Berufsschulen selber nicht von den Olympiaden wissen? Hier ist offensichtlich Aufklärungsarbeit gefragt, doch von wessen Seite? Ich appelliere an alle Berufsschulen sich mit der Bewerbung der Olympiaden unter ihren Schülern auseinander zu setzen. Ruhm und Ehre und eine bessere Schülerschaft winken als Preis.

Teilnahme muss lukrativer werden

Die Umstellung von 13 Ferienwochen auf vier bis sechs pro Jahr ist nicht der schönste Aspekt einer Berufslehre. Wenn man einem Berufsschüler dann noch sagt er solle seine wertvollen Ferientage in einen akademischen Wettbewerb stecken, stösst man wohl zurecht auf Unwillen. Ausnahmefälle wie ich sind wohl eher selten, die breite Masse an Lehrlingen geht viel lieber ein paar Tage mehr im Meer schwimmen.

Jeder Lehrbetrieb der die Nachwuchsförderung ernst nimmt sollte deshalb zusätzliche Freitage für die Teilnahme an den Olympiaden gewähren. Zumindest für die Finalrunden. Die Kosten hiervon sind klein, dafür winken auch hier wieder Ruhm und Ehre (gratis Marketing) und eine Verbesserung der eigenen Lernenden in mehreren Bereichen (Man denke Netzwerk, Fachwissen, Menschenkenntnis und Offenheit, etc. etc.).

Dies könnte der Beginn von etwas grossem sein

Mein Bronzemedaillen-Gewinn ist wohl eher von symbolischem Wert. Er könnte damit jedoch der Beginn von einer grossen Veränderung im dualen Bildungssystem sein. Werden sich die Lehrlinge und die Gymnasiasten mehr vermischen, oder verkriechen sie sich weiterhin in ihrem Gehäuse? Es kann nur gesund sein, wenn wir den Austausch dieser beiden Arten fördern. Um damit Fortschritt zu machen müssen wir zusammen an einem Strang ziehen. Ich bin gespannt ob wir tatsächlich etwas bewegen können und sage dass wir uns diese Chance nicht entgehen lassen sollten.

Was denken Sie dazu? Kontaktieren Sie mich mit Fragen, Gedanken oder Anregungen. Ich stehe Ihnen gerne für Gleiches zur Verfügung.