Eine Reise ins Ungewisse

Tag 4 und 5

Ich freue mich auf Platz 1D im Flugzeug, bis zur Erkenntnis, dass der Eingang der Maschine in der Mitte ist, nicht vorne. Mein Grinsen steht nun im Zeichen der Ironie, nicht mehr dem des “Glücks”. Welchen Unterschied das für einige auch spielen mag, komme ich nichtsdestotrotz um 4 Uhr in Manchester an. 

Ich steige aus und merke, dass hier ein anderes Klima herrscht als am Mittelmeer. Die T-Shirts in meinem Rucksack, die Shorts über meinen Hüften, reichen nicht mehr aus um mich genügend warm zu halten. Gutes Glück, dass ich mich sogleich mit meinem Freund aus der Schweiz treffe, zum Shawarma in Levenshume. Danach werde ich von ihm mit langen Cargohosen und einem Pullover ausgestattet, sodass ich für den Abend bereit bin.

Besagter Abend fängt bei einem Bekannten meines Freundes an. Jener war vor einem Jahr dessen Landlord und wohnt nur zwei Strassen von seiner jetztigen Unterkunft entfernt. Ich betrete eine Stube mit zwei Schülern – ein Engländer und ein Kameruner- und einer laufenden Playstation. Später kommen der Landlord selbst und ein Mexikaner hinzu.

Wir diskutieren über aktuelle Geschehnisse, unsere Leben, Reisen, Berufe, kulturelle Unterschiede; Es gibt Reis für alle; Die Atmosphäre ist tatsächlich wie ich sie mir für einen solchen Abend zuhause in Manchester vorgestellt hatte. Der Landlord selbst hat eine spannende Geschichte, er wuchs in Manchester auf, ging nach seiner Kindheit nach London und lebte für einige Jahre in Spanien und Jamaica, bevor er wieder nach Manchester zurückkehrte.

Kurz vor Mitternacht gehen mein Freund und ich mit dem Uber in die Innenstadt. Unser Ziel: Das bekannte Partyviertel “Gay Village”. 

Tag 1-3

Ich bin sicher gelandet, spielte einen Tag lang den Griechen und fand in der Nacht von Tag 2 auf 3 heraus wo es als nächstes hingeht.

Tag 1

Am Flughafen werde ich von einer einheimischen Freundin abgeholt. Ein schönes Wiedersehen, denn wir haben uns einige Monate lang nicht gesehen. Danach fuhren wir mit dem Bus für EUR 0.90 in die Stadt und genossen am Meer ein griechisches Mittagessen.

Nach dem Check-In im einfachen Appartement inmitten eines Partyviertels lag ich erst einmal auf’s Bett um mich kurz zu erholen – und schlief prompt ein. Nach zwei Stunden wache ich auf und packe wenige wichtige Dinge aus meinen Rucksack aus – das meiste bleibt drin, denn ich nehme jeweils nur das nötigste in die Stadt mit.

Ich traf mich mit meiner Freundin auf einen Spaziergang, es folgte ein privater Stadtrundgang. Es gab alte Ruinen, Türme, das Meer, das Essen – ich gelang schon an diesem ersten Nachmittag zu vielen Erlebnissen.

Tag 2

Heute ist Feiertag, die Geschäfte sind geschlossen und die Familien zuhause zur besinnlichen Feier. So bin auch ich bei Familie P. zu Mittag eingeladen. Mit offenen Armen werde ich empfangen, mit kaltem Wasser versorgt, bekocht und unterhalten auf’s Feinste. 

Auf dem vollen Tisch, auch ein altbekanntes südliches Phänomen, tummeln sich über 20 kleine Schnitzel, Pommes, Sauce, ein Eisberg- und ein griechischer Salat. Diese Mischung beweist, dass Einheimische eben doch nicht gemäss Vorurteilen nur traditionelle Speisen essen.

Die Unterhaltungen vom Tisch übertragen sich beim Glacé-Dessert in’s Wohnzimmer, wo wir zu fünft lange Unterhaltungen über allerlei lokale Gewohnheiten, nationale Phänomene und internationale Politik führen – von einer Sprachbarriere keine Spur.

Nach einem Spaziergang in der untergehenden griechischen Feuersonne ist es bereits schon Zeit, über die nächste Mahlzeit nachzudenken. Ich werde zum sportlichen Familiencabriolet geführt und spüre den Fahrtwind von den Haaren zu den Fingerspitzen.

Eine hügelige Landschaft breitet sich vor mir aus. Plötzlich sind wir umgeben von einem Kontrast von dunklen Flecken in der Höhe und dem Lichtermeer von all den Gebäuden und Strassenlampen der tosenden Stadt, die wir hinter uns lassen (und an der Küste bildet sich durch die Lichterlinie eine wunderschöne Grenze zum “echten” Meer) .

In flottem Tempo ist das Ziel erreicht, eine traditionell-griechische Taverne mit Steinmauer und Bergula. Inmitten der ortskundigen Griechen setze ich mich an den Tisch unserer Gesellschaft, den wir wie ich sodann erfahre glücklicherweise im Vornhinein reserviert haben – der Aussebereich der Taverne ist bis zum Bersten gefüllt.

Mit einem Tisch diesmal voller ausschliesslich griechischem Essen und reghaftem Sobremesa wird der Abend zum perfekten “i-Tüpfli” auf dem bereits schon wundervollen Tag. Und als wäre das Erlebnis selbst nicht schon genug, werde ich von meinen insistierenden Gastgebern auch noch beim Bezahlen der Rechnung eingeladen. Ach du grosszügiger Grieche!

Tag 3

Der dritte Tag beginnt noch mit dem zweiten. Als ich nach unserem Ausflug zur Taverne zurück im Airbnb war, stellte sich mir die dringende Frage (oder stellte ich mich der Frage, wer ist hier die Spinxh… ;)) wohin die Reise denn als nächstes gehen sollte, denn am Nachmittag von diesem noch sehr jungen Tag 3 sollte ich mich auf die Reise begeben. Indem ich dies hier schreibe, sitze ich auch fast 24 Stunden später noch am hölzernen Schreibtisch in Thessaloniki.

Der Grund dafür ist ein durchaus bemerkenswerter Flug, der mir in der Nacht von gestern auf heute in’s Auge stach. Für etwa gleichviel Geld wie mich meine hiesigen Alternativen kosten würden, kann ich an Tag 4 nach Manchester in England fliegen. Da ich mich erinnerte, dass ein guter Freund von mir gerade in Manchester weilt, war diese Option ganz wunderbar. Auch für die übernächste Station habe ich damit ausgesorgt, da ich einige Freunde von mir in Glasgow treffen werde, die zu gegebener Zeit die Schwester der einen Freundin besuchen werden.

Nach einigem Abwägen, Vorbereiten und schnellem (Um)buchen standen die nächsten zwei Reiseziele fest: Manchester für Tage 4 und 5, danach Glasgow. Einige Stunden danach konnte ich auch noch sicherstellen, dass mein Freund momentan auch tatsächlich in Manchester ist. Er ist so gut, mich während seines Aufenthalts in seiner Unterkunft zu beherbergen. Auch sonst werden wir es lustig haben und ich freue mich auf die gemeinsame Zeit in Manchester. Dieses Manchester sollte ich um ca. 4 Uhr Nachmittags lokaler Zeit erreichen.

Tag 0

Die Sonne strahlt und ich schaue nach draussen zum grün ummantelten Baum. Die Blätter bewegen sich kaum, ich weiss dass die Windstille trügerisch ist, weil die nächsten Tage dynamisch ausschau’n.

Morgen sitze ich im Flugzeug nach Thessaloniki, der Stadt am Mittelmeer in welcher mein Abenteuer seinen Anfang nehmen wird. Diesen Hinflug habe ich, und seit vorgestern ein Appartement in dem ich zwei Nächte verbringen werde, mehr nicht. Keinen Rückflug, keine konkreten Reisepläne, nur das Ziel bis spätestens am 24. August wieder zurück in der Schweiz zu sein.

Wo wird mich die Reise hinführen? Durch den Balkan mit Bus und Zug, inmitten eines Gemischs von urban-ruraler Landschaft? Mit der Fähre nach Italien, ins Pizzaland, wo ich von Sohle zu Zunge strebe? Diese Fragen sind für mich noch unbeantwortbar, das einzige was ich zu dem Thema zu sagen habe: Hoffentlich verpasse ich meinen nächsten Flug nicht, am 25. August geht es nämlich in Zürich einmal mehr in Richtung Süden.