Das KV4.0-Praxisjahr steht grundsätzlich für alle KV-Lernenden offen. Die Bewerbung erfolgt in drei Schritten. Dieser Artikel bereitet dich darauf vor, die besten Erfolgschancen für eine Zusage in allen drei zu haben.
Um am KV4.0-Praxisjahr teilnehmen zu können, musst du dich im 2. Lehrjahr für das Programm beim Verein KV4.0 bewerben.
Dafür brauchst du zunächst das Einverständnis deines Lehrbetriebs. Ist dein Lehrbetrieb noch kein Mitglied im Verein KV4.0 musst du ihn überzeugen rechtzeitig beizutreten, um Zugang zum KV4.0 zu erhalten.
Danach sendest du deine schriftliche Bewerbung an den Verein KV4.0, welcher sie überprüft. Wenn deine Bewerbung sie beeindruckt, wirst du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Danach erhältst du entweder eine Zusage oder eine Absage.
Anforderungen für die KV4.0 Bewerbung
Es gibt nur wenige Anforderungen für die Bewerbung beim KV4.0. Diese sind:
- Du bist im 2. Lehrjahr der Schweizer KV-Lehre (EFZ oder BM)
- Dein Lehrbetrieb ist Mitglied im Verein KV4.0
- Dein Notenschnitt in der Berufsfachschule ist über 4.5 oder knapp darunter.
Mein Lehrbetrieb ist nicht Mitglied im Verein KV4.0
Wenn dein Lehrbetrieb kein Mitglied im Verein KV4.0 ist, musst du ihn zuerst von einem Beitritt überzeugen. Ein Beitritt ist sehr lohnend für einen Betrieb, deswegen gibt es unzählige Argumente. Zeig deinem Lehrbetrieb einfach diesen Artikel und sag ihnen, weshalb du das KV4.0 so gerne machen würdest.
Schritt 1: Sprich dich mit deinem Lehrbetrieb ab
Als erstes brauchst du das Einverständnis deines Lehrbetriebes. Gehe genug früh auf den oder die Nachwuchsverantwortlichen zu. Wenn du im ersten Lehrjahr bist, kannst du auch jetzt schon Fragen zum KV4.0 stellen oder deinen Wunsch äussern, dich zu bewerben.
Die Frage, die deinen Lehrbetrieb wohl am meisten beschäftigt ist, ob du nach dem KV4.0 wieder auf deine schulischen Leistungen kommst. Während dem Praxisjahr hast du keine Schule und somit besteht die Gefahr, dass du bei der Eingliederung im dritten Lehrjahr Schwierigkeiten in der Schule hast.
Wenn dein Betrieb sieht, dass das für dich ein Klacks sein wird, erlaubt er dir viel eher dich zu bewerben. Es hilft also in der Schule Gas zu geben und sich im ersten und zweiten Lehrjahr ein «Notenpolster» zu erarbeiten.
Schritt 2: Die schriftliche Bewerbung
Die schriftliche KV4.0 Bewerbung besteht aus folgendem:
- Lebenslauf
- Motivationsschreiben
- Ausgefülltes Bewerbungsformular
- Zeugniskopien der Berufsfachschule
- Zusatz (optional)
Lebenslauf
Der Lebenslauf ist eine Auflistung deiner bisherigen Erfahrungen. Da du wahrscheinlich noch jung bist, beschränken diese sich meist auf deine Berufslehre. Nimm deshalb auch die Oberstufe in deinen Lebenslauf auf.
Das Design deines Lebenslaufs sollte möglichst simpel gehalten werden. Übersicht schlägt Komplexität. Die meisten Lebensläufe in der Berufswelt verwenden eine Vorlage. Das ist auch völlig in Ordnung, selbst basteln kostet nur Zeit und bringt nicht allzu viel. Ein gutes Tool um Lebensläufe zu erstellen ist Europass CV. Wenn du Europass verwendest, stelle sicher, dass du das Europass-Logo am Schluss entfernst. Alternativ kannst du auch Word-Vorlagen benutzen.
Trage nur die wichtigsten Angaben in deinen Lebenslauf (Berufserfahrung mit kurzer Beschreibung, Schulische Ausbildung, wichtigste Hobbies). Wenn du in einem Verein bist, würde ich das zudem erwähnen.
Motivationsschreiben
In deinem Motivationsschreiben solltest du in einem Text folgende Fragen beantworten:
- Wer bin ich? (Person)
- Wieso möchte ich das KV4.0 machen? (Motivation)
- Weshalb bin ich die richtige Person für das KV4.0? (Qualifikation)
Du kannst Fragen hinzufügen und weglassen. Es ist dein Motivationsschreiben und sollte deine Person widerspiegeln. Das Wichtigste ist, dass du authentisch bleibst. Allein, dass du dich traust, dich für ein Programm wie KV4.0 zu bewerben zeigt grosses Selbstvertrauen. Versuch also nicht noch durch «künstliches» Selbstvertrauen nachzuhelfen, dass als Arroganz aufgenommen werden könnte. Das KV4.0 sucht nach Persönlichkeiten (ehrgeizig ja, aber bescheiden – down to earth).
Das Motivationsschreiben sollte nicht zu lang sein. Ich habe mit 350 Wörtern ein sehr langes Stück Papier eingeschickt. Versuch kompakt zu sein, weniger ist mehr. Ungefähr 250 Wörter ist ein vernünftiger Zielwert, ganz sicher aber sollte das Motivationsschreiben nicht mehr als eine A4-Seite umfassen.
Zusatz (optional)
Für die kreativen – und allgemein, um sich von anderen Bewerbenden abzuheben – kann es sinnvoll sein etwas Zusätzliches mitzuschicken. Zum Beispiel ein Vorstellungsvideo, wenn du sicher vor der Kamera bist. Das Video kannst du z.B. auf YouTube hochladen und in deinem Motivationsschreiben verlinken. Oder du kannst einen USB-Stick mit den Bewerbungsunterlagen mitschicken.
Ein solcher Zusatz wird vom KV4.0 nicht verlangt und sorgt sicher für Überraschung. Du kannst dich damit ganz schön abheben.
Die Faustregel hier: Mach nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Wenn das kreative Medium schlechter ist als deine schriftliche Bewerbung dann solltest du es nicht mitschicken, sondern nur dann, wenn du dabei auch ein gutes Gefühl hast.
Dabei musst du nicht zwingend ein Video machen, sondern kannst auch auf andere Weisen kreativ werden. Nutze dafür deine Stärken und Interessen aus.
Schritt 3: Das Vorstellungsgespräch
Wenn alles rund läuft, wirst du zum Vorstellungsgespräch am BZWU in Wil SG eingeladen. Dabei bekommst du ca. 15 Minuten Zeit, um dich auf deine eigene Art vorzustellen. Du darfst frei wählen, ob du ein Hilfsmittel wie zum Beispiel eine PowerPoint-Präsentation oder ein Flipchart verwenden willst. Du kannst auch einfach frei sprechen, wenn dir das lieber ist.
Wichtig ist hier, dass du dich selbst bleibst. Mach das, was dir am wohlsten ist. Versuch so frei wie möglich zu sprechen – wenn du willst, verwende Stichwortkärtchen, aber keine ganzen Sätze – und stell dir vor du würdest mit ein paar Kollegen reden (aber ohne die dummen Sprüche).
Versuch mit allen Zuhörern (bei mir waren es drei) immer wieder Blickkontakt zu halten – 3 Sekunden ist hier der «Sweetspot», bis du wechseln solltest, das braucht aber viel Training.
Es hilft, wenn du dich einigermassen formal anziehst. Damit strahlst du Respekt gegenüber deinen Zuhörern aus (du hast dir für sie die Mühe gemacht, dich gut anzuziehen). Ich will dir hier nicht allzu fest reinreden, denn du sollst anziehen mit was du dich wohl fühlst. Wenn du überhaupt keine Vorstellung hast, wie du dich kleiden solltest dann gehst du am besten in Richtung Business Casual.
Zusammenfassend die wichtigsten Punkte, um dich erfolgreich beim KV4.0 zu bewerben:
- Fange früh an dich vorzubereiten
- Engagiere dich (z.B: in einem Jugendparlament) für bessere Chancen auf eine Zusage
- Sei du selbst – bleib authentisch
- Schriftliche Bewerbung – weniger ist mehr (lieber 15 gute Sätze statt 30 mittelmässige)
- Imponiere mit einem kreativen Zusatz
- Nimm das Vorstellungsgespräch locker, zeige aber Respekt und übe deine Präsentationstechnik
- Überzeuge deinen Lehrbetrieb