Sustainable Finance – aber wie umsetzen?

Die Finanzwelt will nachhaltig sein. Das war während des ganzen Events der SFI SSF Konferenz vom 6. Oktober ganz klar spürbar. Fragt sich nur noch, wie genau sie das erreichen will.

Das Thema beginnt bei mir schon auf der Hinreise zum Event. Als ich in den Zug stieg und Platz nahm, hörte ich im gleichen Abteil das Gespräch dreier Wanderer. Sie unterhielten sich – nebst Pilzen und Politik – auch über die neue Photovoltaikanlage, über die in dem Häuserblock des einen nun abgestimmt worden ist. Leise schmunzle ich zwischendurch und widme mich dann wieder meinen Vorbereitungen.

Die Konferenz fand im Lake Side in Zürich statt. Zu den geladenen Gästen gehören unter anderem Urs Baumann (CEO der ZKB), Jos Dijsselhof (CEO der SIX) und Patrick Odier (Senior Managing Partner der Lombard Odier Group).

Podiumsdiskussion mit Urs Baumann, Patrick Odier und Jos Dijsselhof (v.l.n.r., Quelle: SFI)


Kantonalbanken unter zusätzlichem Druck

Eines steht fest: Das Thema Sustainable Finance ist nicht einfach. Viele Anspruchsgruppen sind beteiligt. Das führt zu Interessenskonflikten. Besonders schwierig haben es die Kantonalbanken, wie Alexandra Lau von der BLKB erklärt. Zusätzlich zum regulatorischen Druck, der Sicherstellung der
Profitabilität und dem Eingehen auf die Kundenbedürfnisse müssen die Staatsbanken ihr kantonales Mandat einhalten.

Sie sieht weitere Herausforderungen. Es sei schwierig allen Kunden gerecht zu werden, weil halt eben nicht alle ihre Liegenschaften «grün» umbauen wollen. Ausserdem haben auch nicht alle die nötigen Mittel dazu. Auch sei es in gewisser Hinsicht fragwürdig, ob man bei solchen Positionen dann die
Kreditnehmer strafen sollte, nur weil ihre Liegenschaft nicht nachhaltig genug ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass es nicht genügend zuverlässige ESG-Daten für KMUs gibt. Das macht für eine Bank die
Zusammenarbeit mit nachhaltigen Unternehmen im KMU-Bereich beinahe unmöglich.

Talentmangel bei den Banken nicht wegen mangelndem Talent

Wenn man die Statistik anschaut, ist es klar, dass die Anzahl der Arbeitskräfte in der Schweiz in Zukunft abnehmen wird. Es lassen sich ziemlich genaue Voraussagen machen, denn die einzige Variable ist die Migration. Das wusste Dr. Stefan Seiler (Personalchef bei der UBS) schon vor 7 Jahren. Leider
wollten einige davon nichts wissen. Jetzt ist das Bild klar. Es herrscht ein Talentmangel bei den Banken.

Im Jahr 2030 seien 30% aller Arbeitskräfte von der Generation Z. Eine Generation die sich an zunehmend hohe Standards bei den Arbeitsbedingungen gewöhnt. Flexible Arbeitszeiten, Home Office und nicht zuletzt hohe Löhne sind zentrale Faktoren, auf die junge Talente heutzutage bei der Stellensuche schauen. Banken hätten ihren Vorsprung in der Arbeitgeberattraktivität für Top-Talente verloren, waren sie doch einst mit Abstand der lukrativste Arbeitsort für ebendiese. Zwar spielen sie noch oben mit, die Konkurrenz hat aber zugenommen. Interesse am Bankenplatz haben Talente zwar, bei der Konversion mangle es jedoch.

Die Finanzwelt kann vieles bezwecken – auch in der Nachhaltigkeit

Professor Laurent Frésard stellte sich für sein Referat eine einfache Frage: “Sollte die Finanzwelt wirlich nachhaltig sein?”. In zehn Sekunden kam er auf die Antwort. Aber natürlich! Die restliche Zeit widmete er den Fragen “wieso?” und “wie?”.

Der Hauptgrund weshalb die Finanzwelt nachhaltig sein soll ist, dass sie viel effizienter sein kann als private Lösungen. Wenn wir die Finanzwelt auf Nachhaltigkeit auslegen können wir damit viel mehr und schneller vorankommen als mit einzelnen Konsumentscheiden.

“Finance is more efficient than private solutions.”

Prof. Laurent frésard


Frésard meint, dass wir bessere Daten für die langfristige Entwicklung haben müssen. Die Finanzwelt hat sich sehr gut darin gezeigt, kurzfristige Daten zu liefern, bei langfristigen Daten sei das noch nicht der Fall. Auch der Punkt, dass ESG-Daten noch nicht transparent sind sei ein Problemfaktor.

Dr. Mirjam Staub vom Finanzdienstleistungs-Riesen Blackrock stimmte mit ihm überein. Sie erläuterte zudem wie Blackrock sich für Nachhaltigkeit im “E” (Umwelt) und im “S” (Soziales) einsetzt, indem sie mit ihren Stimmrechten an den GVs Druck auf die Firmen ausüben, sich im Nachhaltigkeitsbereich transparent zu verhalten.

Banken müssen zu Aufklärern werden

Oliver Buschan von der Schweizerischen Bankiervereinigung denkt, dass Banken einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der Nachhaltigkeit haben können. Es sei wichtig, dass Finanzdienstleister ihre Kunden in die Lage versetzen, informierte Entscheidungen zu treffen. Das spielt in der Welt der Anlagen, aber vor allem auch bei der Vergabe von Hypotheken die Rolle. Welchen Einfluss hat welche Heizung, wie ist die Vergabe von Subventionen geregelt, welche Dinge gibt es sonst zu beachten? Das sind alles Fragen die ein Kundenberater dem Kunden im Idealfall beantworten kann.

Ausserdem gäbe es noch ein grosses Potenzial für die Digitalisierung des Immobiliengeschäfts, so Buschan. Wir können gespannt sein, was dort noch alles kommt.

Innovation ist gefragt

Zuletzt kam die Podiumsdiskussion mit Urs Baumann, Jos Dijsselhof und Patrick Odier.

Greenwashing sei überall ein Problem, nicht nur in der Finanzwelt, meint Odier. Es sei zentral, dass die Qualität der Daten gut ist und wir Verfälschungen so fest weit wie möglich vermeiden.

Jos Dijsselhof sieht grosses Engagement auf der Angebotsseiten, jedoch mangle es zum Teil noch an der Nachfrage. In der Schweiz seien die Menschen eben noch zurückhaltend bei Neuem. Hier kann also noch etwas gehen.

Urs Baumann meint dass Banken mit ihren Produkten Kapital steuern können. Dies sei ein wichtiger Faktor für die Nachhaltigkeitswende. Vor allem bei Hypotheken sieht er grosses Potenzial, da diese den Grossteil von Bankenbilanzen ausmachen. Die Banken brauchen allerdings wichtige Unterstützung durch den Staat. Der Übergang muss geregelt und fair verlaufen.

Es sei auch wichtig, dass auch alle Mitarbeitenden einer Bank ein gutes Vorbild sind, wenn es um Nachhaltigkeit geht und damit nicht nur davon reden, sondern sich auch daran beteiligen. Urs Baumann fährt noch ein altes Dieselauto, aus dem Grund dass sich ein Umstieg auf Elektro jetzt noch nicht lohnt. Er berechnete, dass es ökologisch nachhaltiger ist, sein Auto noch ein Weilchen zu benutzen. Beim Kauf seines nächsten Autos wird er sehr auf den Nachhaltigkeitsaspekt schauen.

Bald zieht er aufgrund seines Jobs vom Kanton Schwyz nach Zürich. Es sei schwierig in Zürich eine freie Liegenschaft zu finden, die alle Nachhaltigkeitsaspekte die er sucht erfüllt. Es sei ihm aber ein Anliegen, dass sein neues Zuhause im Kanton Zürich auch nachhaltig sei.

In den letzten Sätzen der Podiumsdiskussion bedankte sich Urs Baumann bei Patrick Odier, der sich sehr für die Durchführung von Building Bridges – von dem auch diese Konferenz in Zürich ein Teil gewesen ist – eingesetzt hat, und sicherte ihm seine Unterstützung beim Übergang zu einem nachhaltigen Finanzplatz Schweiz bei. Eine Szene die sehr schön zu sehen war und am Schluss von einem grossen Applaus begleitet wurde.